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Indies

Sony BMG und die Klagenhysterie

Der Merger von Sony und BMG aus dem Jahr 2004 ging auf Grund einer Klage des Indie-Verbands Impala durch die Europäischen Gerichte: In erster Instanz unterlag das Musikmajor, bekam allerdings in einem zweiten Verfahren grünes Licht von den Brüsselern. Sony und Bertelsmann klagten trotzdem noch einmal gegen das Urteil aus dem ersten Verfahren und haben nun eine Schlappe einstecken müssen, da die Generalanwältin dem Europäischen Gerichtshof heute empfohlen hat, das erste Urteil zu bestätigen. Der EuGH ist an diese Empfehlung zwar nicht gebunden, aber richtet sich trotzdem oft nach diesen.

An dieser Stelle sei einmal etwas zu dieser Klagenhysterie der Indies gesagt. Das grundsätzliche Problem ist das Denken, dass die Konzentration des Musikmarktes etwas außergewöhnliches, schädigendes, spektakuläres und irgendwie gesellschaftszersetzendes wäre. Dem ist nicht so. Erstens geht es hier um Unterhaltung und nicht um Meinungsvielfalt wie im Zeitungsmarkt. Zweitens wird nahezu jede Branche von vier bis fünf großen Playern dominiert - und es ist für mich nicht ersichtlich, warum dies wettbewerbseinschränkend sein sollte. Oder gibt es etwa keine Konkurrenz (mitsamt ihren für den Kunden positiven Auswirkungen) zwischen T-Mobile und Vodafone, zwischen Sixt und Europcar, zwischen Becks und Jever? Und doch teilen sich all diese Unternehmen mit wenigen anderen die größten Marktanteile ihrer Branchen. Kürzlich bin über ein paar Zahlen gestolpert, die genau dies belegen. Die Daten sind leider etwas veraltet - es ist also davon auszugehen, dass diese Tendenzen sich in den letzten Jahren eher noch verstärkt haben.
Beispiel gefällig?

Marktanteil der 5 größten…
…Fluggesellschaften in den USA? über 80% (bei über 100 Wettbewerbern)
…Zigarettenhersteller in D? Über 95% (bei 34 Wettbewerbern)
…Tankstellen in D? Über 52% (bei über 1000 (!) Wettbewerbern)
…Autovermietungen in den USA? 95% (bei über 1000 (!) Wettbewerbern).

Man sieht, die Konzentration von Märkten ist ganz normal und die Hysterie, die gerade in der Musikbranche bei diesen Entwicklungen an den Tag gelegt werden, völlig überzogen. (Quellen: musikwoche.de und Zahlen von Kucher Simon: Preismanagement, 1992)

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