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Die Ruhe vor dem Sturm

Gestern wurden die Jahreszahlen für das letzte Jahr herausgegeben. Und hoppla, da passiert ja was *augenreib*: »Musikindustrie sieht Trendwende« titelt heute die Zeitung. Na, wenn das mal nichts ist. Mal sehen….

… Steigende Käuferzahlen, zunehmende Downloads, CD-Verkäufe stagnieren (aber das ist ja normal), sogar Vinyl verzeichnet ein kleines Wachstum. Jauchzet, frohlocket. »Mehr Licht als Schatten« nennt das der Branchenverband. Das Ende der Talsohle ist erreicht. Füllt die Kühlschränke wieder mit Schampus!

Aber woher kommt dann dieses Umsatzminus von 3,2 Prozent!?

Es ist das zehnte Jahr in Folge, in dem es einen Umsatzrückgang gibt. Und plötzlich will man hier eine »Trendwende« ausgemacht haben? Woher soll die denn kommen? Von spannenden neuen Geschäftsmodellen? Äh. Nö. Kann ja nicht sein. Von spannenden neuen Bands? Hm. Naja. Ach, jetzt fällt es mir wieder ein: Es liegt an dem Kampf gegen die Internetpiraten. Der ist nämlich mittlerweile fast schon gewonnen. Und das Resultat kann ja nur sein, dass wir alles, was wir über das Internet, die digitale Welt und neue wirtschaftliche Zusammenhänge in den letzten zehn Jahren gelernt haben, wieder vergessen, und uns munter dem Geschäftsalltag der 90er Jahre zuwenden. Nur mit ein bisschen Internet eben. Dann wird alles wieder gut.

Das war jetzt ironisch gemeint. In Wahrheit: Keine Branchenverband, kein Unternehmen und kein Dieter Gorny kann mit ein paar Imagekampagnen und Klagen dazu beitragen, dass wir wieder in eine alte Welt zurückziehen. Es ist eine Illusion zu glauben, dass man einfach so weitermachen könnte wie bisher und halt die Leute zu anderem Verhalten erziehen muss. Nicht die Konsumenten muss man ändern - die Industrie. Ich wette, dass die Trendwende nicht durch ein paar Kinospots und statuierte Exempel vor Gericht eingeläutet wird. Die Trendwende kommt, wenn IHR euch ändert. Nicht der Rest der Welt.

Diskussion

Ein Kommentar für “Die Ruhe vor dem Sturm”

  1. […] als musikalische Nachrichten? Von der Präsentation der Musik-Jahreszahlen, die überwiegend ungläubiges bis gelangweiltes Kopfschütteln nach sich zog, mal ganz abgesehen: wie viele […]

    Kommentiert von Mehr als perfekt: Britney und die Fragmentierungsexplosion. | COMMENTMUS!C | März 17, 2008, 13:13

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