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Mehr als perfekt: Britney und die Fragmentierungsexplosion.

Warum sind eigentlich technologische Vorstellungen in letzter Zeit so viel interessanter als musikalische Nachrichten? Von der Präsentation der Musik-Jahreszahlen, die überwiegend ungläubiges bis gelangweiltes Kopfschütteln nach sich zog, mal ganz abgesehen: wie viele Neuveröffentlichungen sind eigentlich in aller Munde? Ein Beispiel: Snoop Dogg, Bryan Adams, R.E.M., Van Morrison, Erykah Badu, Muse und Supergrass haben alle in den letzten zwei Wochen neue Alben veröffentlicht. Jeder Leser gehe kurz in sich und überdenke, über welches dieser Alben er mit irgendeinem Menschen gesprochen hat. Fertig? Ich tippe, dass bei der Mehrzahl die Antwort gegen Null tendiert. Vor zwei Wochen hat Apple das SDK für das iPhone vorgestellt. Ich habe mir die Präsentation von Steve Jobs und seinen Kollegen angeschaut haben und dann meiner, nur wenig technikaffinen, Holden genaustens erklärt, was das bedeutet. Das war eine reine Geek-Veranstaltung. Und trotzdem war ich nicht allein: 1 Millionen Menschen haben sich das Video mittlerweile angeschaut! Warum? Weil das Produkt und die damit verbundene Neuheit so spannend ist, dass die Kunden zu Apple kommen und sich (grundsätzlich langweiligen) Techniktalk anschauen. DAS passiert, wenn man bemerkenswerte Produkte hat. (Anm: Natürlich ist es klar, dass jede Woche Unmengen an neuen Alben veröffentlicht werden und eine Apple-Veröffentlichung nur wenige Male im Jahr vorkommt.)

Aber das Wichtige ist etwas anderes: Niemand redet über eine CD, weil sie gut gemacht ist. Ich rede über eine CD, wenn sie mich berührt. Wenn sie anders ist. Wenn sie besonders ist. Wenn sie heraussticht. Gut ist nicht genug. Selbst perfekt ist nicht genug. Es geht nicht um ein vollkommenes Produkt. Es geht um viel mehr. Es geht um ein Produkt, das Aufmerksamkeit erregt. Kann nicht auch sein, dass die Krise der Musikindustrie dem verschuldet ist, dass Musik im Allgemeinen und viele Künstler im Besonderen nicht mehr herausstechen? Warum ist Christina Aguilera etwas Besondereres als Britney Spears als Jessica Simpson als… you get the point? Hier geht es nicht um Qualität - die ist bei vielen DSDS-Finalisten auch nicht schlecht. Aber Retorten sind langweilig. Die konnte man zwar in der alten Welt noch pushen, weil die Medienkanäle den Massenmarkt abdeckten. Aber heute reicht das nicht mehr. In einer Welt, die sich in einer Fragmentierungsexplosion befindet, hilft Retorte nicht mehr. Da braucht man auch kein schönes Produkt. Da muss es wohl oder übel ein Album sein, das seinen Weg über den besten aller Kommunikationskanäle findet: Die Freundesempfehlung. Und die bekommt man nur, wenn man etwas Besonderes schafft.

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