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McCarthy im Valley: Die Kunst-Geld-Debatte

In der Musik-Technologie-Blogosphäre tobt gerade eine heiße Diskussion. Ethan Kaplan, Chief Technology Officer von Warner und Gründer einer der ersten Fanseiten des Internets, hat in einem Post gefragt, wie wir als eine Gesellschaft Kunst schätzen und entlohnen. Er schreibt:

    »How do you value art? How do you ensure that the value of art can translate into the notion of making a living on art?What role does a government body play in the propagation of the meme of art creation? Support? Education? Distribution?«

Gerade der letzte Satz hat den streng kapitalistischen Michael Arrington vom renommierten einschlägigen TechCrunch-Blog zu einer hitzigen Antwort verleitet. Um es kurz zu machen: Er bezeichnet den Beitrag von Kaplan als Bullshit und macht sich über dessen Verweis auf einige europäische Länder, die staatliche Unterstützung für Künstler vorsehen, lustig. Endlose Diskussionen in den Kommentaren der beiden Artikel schlossen sich an.

Irgendwie ist das ein witzige Diskussion. Vielleicht können wir als Europäer das auch nicht so verstehen (für uns ist ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem ja nicht wirklich sozialistisch), aber einige kapitalistische Plattenfirmen (namentlich: Warner) haben in der Vergangenheit plötzlich höchst unkapitalistische Forderungen nach einer Musik-Steuer in den Raum gestellt. Grundsätzlich halte ich das auch nicht für eine gute Idee, denn selbst wenn man eine staatliche Unterstützung für Kunst, i.e. Musik, fordert, heißt das ja noch nicht automatisch, dass deshalb Labels steuerfinanziert werden sollten (where’s the logic!?).

Aber die Frage, die Kaplan stellt ist doch eine ganz andere: was ist uns Kunst und Kultur wert? Und wie könnten/sollten wir Künstler in unserer Gesellschaft entlohnen?

Ich unterstelle Kaplan aus persönlicher Sympathie (und seinen verzweifelten Versuchen, auch in späteren Posts, immer wieder auf diese Frage zurückzukommen), dass er diese Überlegungen ernst meinte, ohne dass er Steuerpläne seines Arbeitgebers damit das Wort reden wollte. Schade eben, dass man wirklich inhaltsvolle und wichtige Gedanken nicht mit Marktschreiern von TechCrunch (namentlich: Michael McCarthy Arrington) führen kann. Es ist doch keine kommunistische Idee, sich über die Zusammenhänge von Kunst und Verdienst zu unterhalten. Und wenn wir schon dabei sind: lieber eine BCC als Fox News. Danke.

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